Montag, 28. Mai 2012

Die multiplen Persönlichkeiten des Fernando Pessoa




Vor Tagen veröffentlichte ich hier in meinem Blog eine kleine Biographie über den portugiesischen Schriftsteller Fernando Pessoa (Eintrag „Fernando Pessoa“ vom 23. Mai 2012).
In dem Text erwähne ich die Tatsache, dass Pessoa in seinem schriftstellerischen Leben an die 76 Heteronymen erschaffen hat.
Eine genaue Anzahl seiner Heteronymen ist auch heute nicht möglich, da nach Pessoas Tod immer wieder Figuren auftauchten und immer noch auftauchen, von denen man annahm, sie wären eigenständige literarische Persönlichkeiten gewesen, die sich aber dann im Nachhinein als Heteronymen von Pessoa entpuppen.

Ein literarisches Heteronym ist vergleichbar mit einem Pseudonym.
Doch während ein Schriftsteller bei einem Pseudonym seine Werke lediglich unter einem andren Namen schreibt, erschafft er sich mit einem Heteronymen immer eine eigene schriftstellerische Persönlichkeit.
Das heißt, dieser Schriftsteller gibt dieser erfundenen Persönlichkeit nicht nur einen eigenen Namen, sondern erschafft diesem auch einen eigenen Geburtstag und Geburtsort, einen eigenen privaten und beruflichen Lebenslauf, eine eigene Familie, einen eignen schriftstellerischen Werdegang und sogar einen eigenen Schreibstil, der oftmals so gar nicht seinem eigenen entspricht.

Fernando Pessoa war ein wahrer Weltmeister, was die Erschaffung von Heteronymen anging.
Seine berühmtesten schriftstellerischen Persönlichkeiten waren Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis.
Aber er war auch der Schöpfer nicht so bekannter Schriftsteller und Dichter, wie etwa Dr. Caloiro, Joaquim Moura Costa und Bernardo Soares.

Heute würde man sagen, Fernando Pessoa litt zu Lebzeiten unter gespaltenen Persönlichkeiten – und das immerhin mindestens 76 Mal!

Hier nun eine Auflistung der bis heute bekannten Heteronymen die Fernando Pessoa erschaffen hat:


1. Chevalier de Pas – Er war Pessoas erste erfundene Persönlichkeit. Er erfand ihn 1894 im zarten Alter von nur sechs Jahren. Der Chevalier de Pas begleitete Pessoa bis an sein Lebensende

2. Alberto Caeiro – Mit vollem Namen nannte ihn Pessoa „Alberto Caeiro da Silva“. Er ließ ihn am 16. April 1889 in Lissabon auf die Welt kommen. Alberto Caeiro ist blond und blauäugig und besitzt nur eine einfache vierjährige Grundschulausbildung. Trotzdem ist er mit viel Bauernschläue gesegnet. Er ist der Autor von Werken wie „O Guardador de Rebanhos“ und „O Pastor Amoroso“ sowie „Os Poemas Inconjuntos“. Fernando Pessoa ließ ihn im Juni 1915, mit nur 26 Jahren, an Tuberkulose sterben

3. Álvaro de Campos – Er ist ein Prosaschreiber aus der Algarve, den Pessoa im Jahre 1890 in der Stadt Tavira auf die Welt kommen lässt. Als junger Mann zieht er nach Glasgow, in Schottland, um dort Schiffsbauingenieurswesen zu studieren. Nach seinem Studium zieht er nach Lissabon und fängt hier an zu schreiben. Er ist ein Neurotiker und Angsthase, der sich überall fremd fühlt

4. Ricardo Reis – Pessoa lässt Ricardo Reis am 19. September 1887 in Porto auf die Welt kommen. Ricardo Reis studiert Medizin und praktiziert zu erst auch als Arzt, bis er eines Tages beschließt zu schreiben. Er hat einen humanistischen Hintergrund, bringt sich selbst die alt-griechische Sprache bei und ab 1919 lebt er im brasilianischen Exil, wo er als Königstreuer vor den portugiesischen Republikanern geflohen ist. Er ist Verfasser verschiedener Oden und Neoklassiker

5. A. Francisco de Paula Angard – Ein Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“ und Autor verschiedener wissenschaftlicher Texte

6. Urban Accursio – Ein Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

7. Adolph Moscow – Ein Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“, der in dieser als Romancier tätig ist und als der Autor von „Os Rapazes de Barrowby“ benannt wird

8. Dr. Pancracio – Ein Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“ der in dieser als Journalist, Chronist und Dichter beschäftigt ist

9. Luís António Congo – Ein Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“ der in dieser als Chronist beschäftigt ist

10. Eduardo Lança – Ein brasilianischer Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

11. Pedro da Silva Salles alias Pad Zé – Redakteur der Zeitung „O Palrador“ und zuständig für die Witzabteilung der Zeitung

12. José Rodrigues do Valle, alias Scicio – Literarischer Direktor der Zeitung „O Palrador“

13. António Augusto Rey da Silva – Verwalter der Zeitung “O Palrador”

14. Pip – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und Autor verschiedener humoristischer Geschichten

15. Dr. Caloiro – Journalist und Reporter der Zeitung „O Palrador“ und Autor des Werkes „A Pesca das Pérolas“

16. Morris – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

17. Theodor – Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“

18. Diabo Azul (Blauer Teufel) – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

19. Parry – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

20. Gallião Pequeno – Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“

21. Cecília – Mitarbeiterin der Zeitung „O Palrador“

22. José Rasteiro – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und hier als Autor verschiedener Rätsel und zahlreicher Sprichwörter benannt

23. Marvell Kisch – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und Autor des Romans „A Riqueza de um Doido“

24. Gabriel Keene – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und Autor des Romans „Em Dias de Perigo“

25. Sableton-Kay – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und Autor des Romans „A Lucta Aerea“

26. Dr. Gaudêncio Nabos – Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“. Dieser luso-englische Humorist ist bei der Zeitung als Journalist tätig

27. Nympha Negra – Mitarbeiter und Rätselschreiber bei der Zeitung „O Palrador“

28. Professor Trochee – Autor humoristischer Werke

29. Claude Pasteur – Franzose, Übersetzer von „Cadernos de Reconstrução Pagã“

30. Tagus – Mitarbeiter beim „Natal Mercury“ im südafrikanischen Durban

31. David Merrick – Dichter, Erzähler und Dramaturg

32. Lucas Merrick – Kurzgeschichtenschreiber und Bruder von David Merrick

33. Willyam Links Esk – Verfasser eines, mit Absicht, schlecht geschriebenen Briefes in englischer Sprache, das mit dem 13. April 1905 datiert ist

34. Charles Robert Anon – Dichter, Philosoph und Erzähler

35. Alexander Search – englischer Dichter und Kurzgeschichtenschreiber

36. Charles James Search – Bruder von Alexander Search, Übersetzer und Essayist

37. Herr Prosit – deutscher Übersetzer des Werkes „O Estudante de Salamanca“

38. Jean Seul de Méluret – französischer Dichter und Essayist

39. Pantaleão – Poet und Prosaschreiber

40. Torquato Mendes Fonseca da Cunha Rey – Autor verschiedener Texte

41. Pipa Gomes – Angestellter im Verlag von Fernando Pessoa, Ibis, und Autor verschiedener politischer Texte für die von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Phosphoro“

42. Joaquim Moura Costa – satirischer Poet, militanter Republikaner, Mitarbeiter bei der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Phosphoro“

43. Faustino Antunes alias A. Moreira – Psychologe und Autor des Werkes „Ensaio sobre a Intuição“

44. António Gomes – Philosoph, der an der „Univeristät der Unnützen“ studiert hat und Autor des Werkes „Historia Cómica do Sapateiro Affonso“ ist

45. Vicente Guedes – Übersetzer, Poet, Erzähler, Tagebuchschreiber und angeblicher Mitarbeiter in Fernando Pessoas Verlag Ibis. Bruder von Gervásio Guedes

46. Gervásio Guedes – Bruder von Vicente Guedes und Autor des Textes „A Coroação de Jorge Quinto“

47. Carlos Otto – Poet und Autor des Werkes „Tratado de Lucta Livre“

48. Miguel Otto – Bruder von Carlos Otto der das Werk seines angeblichen Bruders „Tratado de Lucta Livre“ ins englische übersetzt

49. Frederick Wyatt – Poet und Prosaschreiber der nur in der englischen Sprache geschrieben hat

50. Reverend Walter Wyatt – englischer Geistlicher und angeblicher Bruder von Frederick und Alfred Wyatt

51. Alfred Wyatt – Engländer der in Paris lebt, ein angeblicher Bruder von Frederick und Walter Wyatt

52. Bernardo Soares – Poet und Prosaschreiber

53. António Mora – Philosoph und Soziologe. Er ist ein Zögling von Alberto Caeiro

54. Sher Henay – Sammler und Schreiber verschiedener Vorworte in englischer Sprache

55. Frederico Reis – Essayist und Bruder von Ricardo Reis

56. Barão de Teive (Baron von Teive) – Ein brasilianischer Prosadichter und Autor von „Educação do Stoico“ und „Daphnis e Chloe“, den Pessoa Selbstmord begehen lässt

57. Maria José – Autorin des Werkes „A Carta da Corcunda para o Serralheiro“

58. Abílio Quaresma – Autor von Krimis und Polizeikurzgeschichten

59. Inspektor Guedes – Autor von verschiedenen Detektivgeschichten

60. Uncle Pork – Dieser Charakter ist Autor verschiedener Detektivkurzgeschichten

61. Pero Botelho – Chronist und Autor verschiedener Briefe

62. Efbeedee Pasha – Autor von humoristischen Geschichten

63. Thomas Crosse – Engländer voller Geheimnisse und Liebhaber der portugiesischen Kultur

64. I.I. Crosse – Unterstützer seines Bruders Thomas Crosse und ebenfalls Liebhaber der portugiesischen Kultur

65. A.A. Crosse – Rätselliebhaber und –schreiber

66. Rafael Baldaya – Ein langbärtiger Astrologe, der als Autor der Werke „Tratado da Negação“ und „Princípios de Metaphysica Esotérica“ benannt wird

67. Horace James Faber – Kurzgeschichtenschreiber und Essayist der nur in englisch schrieb

68. Navas – Übersetzer der Kurzgeschichten von Horace James Faber

69. António de Seabra – Literaturkritiker der Kritiken in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte

70. João Craveiro – Journalist

71. Dinis da Silva – Autor des Werkes „Loucura“

72. Dr. Pancrazio – Geschichtenerzähler

73. Henry More – englischer Autor und Prosadichter

74. Wardour – Dichter

75. J. M. Hyslop – Dichter


76. Sebastian Knight - Dieser Charakter wurde von Fernando Pessoa erfunden, aber nie literarisch verwendet

Samstag, 26. Mai 2012

Portugal zeigt Flagge



Als ich heute mit einem Freund in Richtung Costa de Caparica gefahren bin, konnten wir von der Autobahn aus die riesige portugiesische Flagge sehen, die nun an der Frontseite des Shopping-Centers Almada Forum prangt.
Diese überdimensionale Flagge wurde gestern, über Nacht, an der Glasfassade des zweitgrößten Einkaufscenters des Landes angebracht.
Sie ist 44 m breit, 25 m hoch und bedeckt eine Fläche von 1100 m².

Diese riesige Nationalflagge soll die portugiesische Fußballnationalmannschaft bei der kommenden EM in Polen und der Ukraine „mental unterstützen“ und für die vielen Nationalflaggen stehen, die einstmals bei der EM 2004 hier im eigenen Land, an jedem Ort zu sehen waren.

Damals schmückten tausende und abertausende portugiesische Flaggen jeden erdenklichen Ort.
Kein Haus, kein Auto, keine Straße und kein Balkon das nicht mindestens mit einem kleinen Portugal-Wimpel geschmückt war.
Und auch die Menschen blieben damals hierzulande vom grassierenden Nationalfarben-Fieber nicht verschont. Da wurden rot und grün zu Farben der „Kriegsbemalung“, und die eingefärbten Sonnenbrillen, die zweifarbigen Capis und die entsprechenden T-Shirts wurden mit Stolz getragen.
Psychologisch hat das alles damals, ohne Zweifel, die portugiesische Nationalmannschaft 2004 bis ins Finale gebracht.

Aber wir befinden uns heute nicht mehr im Jahre 2004, sondern im Jahre 2012.
Portugal muss heute mit einer enormen Schuldenkrise und all ihren negativen Folgen fertig werden.
Als Portugiese versucht man momentan eher mit der kollektiven Zukunftsangst zu Recht zu kommen als daran zu denken, wie man sein Auto oder sein Haus mit Fähnchen schmückt.
Die Freude auf die kommende EM 2012 ist hier in Portugal, gelinde gesagt, eher verhalten.
Und nach dem mickrigen 0:0 im heutigen Freundschaftsspiel gegen Mazedonien habe ich das Gefühl das die Freude auf die EM sogar noch geringer geworden ist.

Egal wie die Jungs von Nationaltrainer Paulo Bento bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine auch abschneiden werden, und egal ob die riesige Nationalflagge, die jetzt am Almada Forum hängt, dazu beitragen wird das die portugiesische Nationalmannschaft sich durch ihre Fans „getragen“ fühlt – wichtig ist nur, das die Menschen in den nächsten Wochen dieses sportliche Großereignis dazu nutzen werden, um zusammen zu kommen und um zusammen zu feiern.

Das würde ich uns allen wünschen!

Mittwoch, 23. Mai 2012

Fernando Pessoa



In meinem hier erschienenen Blogeintrag „Ach, wenn ich doch nur könnte…“, vom 19. Mai 2012, erwähne ich die Versteigerung des Mahagonischreibtisches und der Royal-Schreibmaschine des Schriftstellers Fernando Pessoa, die sich am gestrigen Dienstag im Auktionshaus World Legend, hier in Lissabon, ereignet hat.
Heute bin ich von meinem Arbeitskollegen Filipe Zavarsky gefragt worden, wer denn Fernando Pessoa sei.

Nun, der bedeutende Lyriker und Sprachvirtuose Fernando Pessoa, der mit vollem Namen Fernando Antonio Nogueira Pessoa hieß, wurde am Nachmittag des 13. Juni 1888, einem Antoniustag in Lissabon, im vierten Stock des Hauses mit der Hausnummer 4 im Largo de São Carlos, genau gegenüber des Opernhauses Teatro de São Carlos, geboren.
Sein Vater, Joaquim de Seabra Pessoa, war Beamter im Justizministerium und nebenbei Musikkritiker bei der Tageszeitung "Diário de Noticias". Seine Mutter war die aus der Azoreninsel Terceira stammende Maria Magdalena Pinheiro Nogueira Pessoa.

Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er sehr glücklich im Kreise seiner Eltern, seiner Großmutter väterlicherseits Dionísia und den zwei älteren Hausangestellten Joana und Emilia.
Doch diese glückliche Kindheit wurde jäh unterbrochen, als er nämlich im Alter von nur fünf Jahren seinen Vater verlor, der am 24. Juli 1893 an der Schwindsucht starb.
Nach dem Tod des Vaters geriet die kleine Familie in sehr schwierige finanzielle Schwierigkeiten. So musste seine Mutter fast alle Möbeln veräußern und eine bescheidenere Bleibe in der Rua de São Marçal n° 104 suchen.
Ein paar Monate später, im Januar 1894, verstarb auch sein kleinerer Bruder Jorge, der noch nicht einmal sein erstes Lebensjahr erreicht hatte.

Kurz nach dem Tode seines Bruders lernte seine Mutter den Hauptmann João Miguel Rosa, einen Beamten des Außenministeriums, kennen und lieben.
Ende 1894 wurde João Miguel Rosa nach Durban in Südafrika beordert, um dort den Posten des portugiesischen Konsuls zu besetzen.
1895 wurde die Ehe zwischen Pessoas Mutter Maria Magdalena und João Miguel Rosa per procura in der Kirche São Mamede zu Lissabon geschlossen.

Nach der Hochzeit folgten Maria Magdalena Pessoa und ihr Sohn Fernando dem neuen Familienoberhaupt nach Südafrika.
Sie verließen Lissabon im Januar 1896 auf dem Passagierschiff „Funchal“ in Richtung der Insel Madeira.
Auf Madeira stiegen sie dann auf das englische Handelsschiff „Hawarden Castle“ um, der sie direkt an das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) brachte.

Im südafrikanischen Durban drückte Fernando Pessoa zum ersten Mal die Schulbank, nämlich in der West Street School, einer Grundschule die von irischen Nonnen geleitet wurde. Hier an dieser Schule kam er dann auch zum ersten Mal mit der englischen Sprache und Kultur in Berührung.
Im Jahre 1899 wechselte er in die Durban High School, wo er, so lange er auf dieser Schule war, jedes Jahr als einer der besten Schüler abschnitt.
Sein Englisch wurde so hervorragend, dass er im Alter von elf Jahren seine ersten Gedichte in dieser Sprache schrieb.
In dieser Zeit erschuf er eines seiner erstes Heteronymen (port.: heterónimos), nämlich Alexander Search, und fing an, durch diese erfundene Persönlichkeit, Briefe an sich selber zu schreiben.

1901 starb seine kleine Schwester Madalena Henriqueta im Alter von nur zwei Jahren.
Wenige Wochen nach dem Tod seiner Schwester reiste die Familie auf dem Handelsschiff „König“ nach Lissabon, um hier einen einjährigen Heimaturlaub zu verbringen.
An Bord der „König“ war auch der Leichnam seiner kleinen Schwester, welches in Portugal beigesetzt werden sollte.
In Lissabon wurde dann im Januar 1902 sein Stiefbruder João Maria geboren.

In dieser Zeit isolierte sich Fernando Pessoa immer mehr von seiner Mutter, die gewollt oder ungewollt, ihrem zweiten Ehemann und ihrem jüngsten Sohn immer mehr Aufmerksam schenkte, so empfand es jedenfalls der junge Fernando.
Dennoch verbrachte Fernando Pessoa, so schrieb er einmal später, damals wunderschöne Monate in Portugal. Er besuchte, unter anderem, die Familie seiner Mutter im Mai 1902 auf der Azoreninsel Terceira und auch den Verwandten seines Stiefvaters in Tavira, an der Algarve, stattete die Familie damals einen Besuch ab.

Während seine Mutter, sein Stiefvater und seine kleinen Geschwister im Juni 1902 zurück nach Durban reisten, blieb Fernando Pessoa zuerst in Lissabon bei seiner Großmutter zurück.
Erst drei Monate später, im September 1902, reiste er seiner Familie auf dem Dampfer „Herzog“ nach Südafrika nach.
Als er in Durban ankam, schrieb er sich an der Durban Commercial School, einer Handelsschule, ein und bereitete sich auf dieser für die Universität vor.
Er widmete sich immer mehr der englischen Literatur und las gerne, unter anderem, Werke von William Shakespeare, Edgar Ellen Poe und Lord Byron.

1903 bewarb er sich um einen Studienplatz für Literatur an der University of the Cape of Good Hope (port.: Universidade do Cabo da Boa Esperança), bestand aber nur knapp die Aufnahmeprüfung.
Nichtsdestotrotz schrieb er damals, am Tag der Prüfung, von 899 Kadidaten den besten Aufsatz in englischer Literatur, und erhielt dafür, mit gerade mal 15 Jahren, den Queen Victoria Memorial Prize (port.: Prémio Rainha Vitória) und somit die Aufnahme an die Universität.
Er widmete sich fortan immer mehr der englischen Poesie und den englischen Klassikern, obwohl er später in seinem Leben einmal sagen wird, das „alleine die portugiesische Sprache immer seine Heimat war“.
In seiner Zeit an der Universität von Durban erschuf er die zwei Heteronymen Charles Robert Anon und H. M. F. Lecher.

Im Jahre 1905 beschloss er sein Studium in Südafrika nicht mehr fortzusetzen und verließ die Universität, trotz der Bestnoten die er hatte.
Auch seine Professoren können ihn nicht davon überzeugen weiterhin in Südafrika zu bleiben.
Die Sehnsucht nach Portugal war wohl übergroß.
Noch im selben Jahr kehrte er in sein geliebtes Lissabon zurück – ohne Familie.
Hier lebte er mit seiner Großmutter Dionísia und zwei Tanten in der Rua da Bela Vista n° 17.
1906 schrieb er sich an der Philosophischen Fakultät (port.: Faculdade de Letras) der Universität von Lissabon ein, brach sein Studium dort aber nach noch nicht einmal einem Jahr aus Langeweile ab.

Ein Jahr später, im August 1907, starb seine geliebte Großmutter Dionísia und hinterließ ihm eine kleine Erbschaft.
Mit dem Geld das ihm seine Großmutter hinterließ, gründete er eine kleine Druckerei in der Rua da Conceição da Glória, die er auf den Namen „Empreza Ibis – Typographica e Editora – Officinas a Vapor“ (dt.: „Unternehmen Ibis – Buchdruckerei und Verlag – Dampfdruckwerkstatt“) taufte, mit der er aber alsbald bankrott ging.

Fernando Pessoa erholte sich nur schwer von dieser Niederlage und aus ihm wurde fortan ein unscheinbarer Büroangestellter und Fremdsprachenkorrespondent, der sich gerne hinter dicken Brillengläsern versteckte – jedenfalls vormittags.
Denn nachmittags saß er stundenlang in den Lissabonner Cafés und diskutierte, schrieb und trank und füllte eine große Truhe mit unzähligen Manuskripten.

Im Jahre 1912 veröffentlichte er in der Zeitschrift „A Águia“ seinen ersten Artikel über „Neue portugiesische Dichtung“ (port.: „A nova poesia portuguesa“) und Dank dieses Artikels bildete sich ein avantgardistischer Kreis, dem fortan Pessoa selbst, sein enger Freund Mario de Sá Carneiro, der vielseitige Künstler Almada Negreiros sowie die Maler Santa-Rita Pintor und Amadeo de Sousa Cardoso angehörten.
Dieser Kreis von Literaten, das sich fortan regelmäßig im Café „A Brasileira“ im Chiado traf oder aber auch im Café „Martinho da Arcada“ auf der Praça do Comercio zusammenkam, machte es sich zum Ziel, das in ihren Augen nach der Abschaffung der Monarchie im Jahre 1910 träge und selbstzufrieden gewordene Land, wachzurütteln. Außerdem wollten sie damals, wie sie es ausdrückten, „der Ignoranz, dem Fanatismus und der Tyrannei“ entgegentreten.

Mit dem Geld des wohlhabenden Vaters von Mario de Sá Carneiro erschien 1915 die um eine radikale Erneuerung bemühte literarische Zeitschrift „Orpheu“, die gleich am Erscheinungstag zum Skandal wurde.
Vom ersten Tag an, war „Orpheu“ das Tagesgespräch von ganz Lissabon und auf offener Straße wurde mit dem Finger auf Pessoa und seine Herausgeberfreunde gezeigt.
Der plumpe Hohn, den sich die Konkurrenz in den Tagen nach der Erscheinung der Zeitschrift erlaubte, war die beste Reklame für das aufmüpfige Unternehmen.
Die Werbung war so gut, dass nach drei Wochen die Auflage des „Orpheu“ vergriffen war.
Nur Sá Carneiros Vater war von der ganzen Sache nicht so begeistert und stellte gleich nach der zweiten Nummer der Zeitschrift die Finanzierung ein.
Nach dem Ende des „Orpheu“ zerfiel die Literaten-Gruppe um Fernando Pessoa allmählich. Als sein Freund Mario de Sá Carneiro 1916 in Paris Selbstmord beging, glitt Pessoa immer mehr in die Einsamkeit ab.

1917 versuchte sein Schriftstellerfreund Almada Negreiros an dem Erfolg des „Orpheu“ anzuknüpfen und gab die erste und einzige Nummer der Zeitschrift „Portugal Futurista“ heraus, in dem Fernando Pessoa, unter dem Heteronymen Àlvaro de Campos, einen sehr provozierenden Text mit dem Titel „Ultimato“ veröffentlichte.
Das Pessoa unter anderen Namen schrieb, war für ihn Selbstverständlich und mit der Zeit wurden Heteronymen ein Markenzeichen Fernando Pessoas.

Heteronymen gehen über ein gewöhnliches Pseudonym weit hinaus.
Heteronymen werden immer mit einer eigenen Statur und Physiognomie, mit einem Horoskop und einem Lebenslauf, mit einer eigenen Persönlichkeit und einem eigenen Stil versehen.
Fernando Pessoa war beim erfinden solcher Persönlichkeiten ein wahrer Weltmeister!
Auf der Suche nach dem Ich, das er nie finden konnte, spaltete sich Pessoa in unterschiedliche „alter ego“ auf, die einander und Pessoa selbst widersprachen, sich gegenseitig kritisierten und alle unter ihrem erfundenen Namen literarisch tätig waren.

Zu Fernando Pessoas Phantasiegestalten gehörten Alberto Caeiro, der blonde und blauäugige Lissabonner ohne Schulbildung und Beruf, Ricardo Reis, der Arzt aus Porto mit einer humanistischen Bildung, der monokeltragende Àlvaro de Campos, der in Glasgow zum Schiffsingenieur ausgebildet wurde und provozierende Artikel schrieb und Chevalier de Pas, der Briefe an Pessoa verfasste.
All diese Personen waren zwar alle literarisch existent, aber sie waren nichts weiter als die reine Phantasiebildung eines Mannes.
So erfand Pessoa seine eigene, große Dichterfamilie, eine Familie die zum Schluss aus sage und schreibe mindestens 76 Heteronymen bestand!

Aber Fernando Pessoa war in Wahrheit ein einsamer Mann!
Er lebte sehr zurückgezogen, fast ohne menschliche Bindungen.
Schreiben war für Pessoa eine Mission, die mönchische Zucht verlangte und ihn völlig beanspruchte.
So ist auch nur eine Liebesbeziehung Fernando Pessoas bekannt.
Im Jahre 1920 verliebte er sich in Ophélia Queirós, einem fröhlichen, 19 jährigen Mädchen. Bei ihr suchte er so etwas wie einen Ausweg aus seiner inneren Isolation.
Sie trafen sich fast täglich, doch nach nur neun Monaten brach Pessoa seine Beziehung zu Ophélia ab.
Sein Schicksal, so schrieb er in einem Brief an das Mädchen, stehe unter einem anderen Gesetz.
Später, im Jahre 1929, lebte die alte Liebe zwischen Pessoa und Ophélia noch einmal auf, aber nach nur vier Monaten trennte sich das Paar erneut.

Am 17. März 1925 starb seine geliebte Mutter.
Er wurde nun zunehmend depressiv, trank immer mehr und öfters und stürzte irgendwann in eine große Identitäts- und Wahrheitssuche.
Er wendete sich immer mehr dem Okkultismus und der Esoterik zu, fing an englischsprachige theosophische Schriften zu übersetzen und interessierte sich immer mehr für den Sebastianismus.

Er erholte sich nach einiger Zeit wieder und fing erneut an zu schreiben.
Nach Jahren ununterbrochenen Umherziehens ließ er sich endgültig in einem Haus in der Rua Coelho da Rocha n° 16, im Stadtteil Campo de Ourique, nieder und lebte dort bis zu seinem Tod.
Dort schrieb er eines seiner größten Werke, das 1934 veröffentlichte lyrische Epos „Mensagem“.

Anfang November 1935 erkrankte Fernando Pessoa schwer.
Er war erst 47 Jahre alt, aber seine jahrelangen Alkoholexzesse und das starke rauchen machten sich nun negativ bemerkbar.
Am 29. November 1935 wurde er in das Krankenhaus Hospital de São Luís dos Franceses eingewiesen und die Ärzte diagnostizieren ihm eine schwere Leberzirrhose.
Ans Bett gefesselt, brachte er in englischer Sprache seine letzten Worte zu Papier:

„I know not what tomorrow will bring!“
(port.: „Não sei o que o amanhã trará!“ / dt.: „Ich weiß nicht, was der morgige Tag bringen wird!“)

In der Nacht fiel er ins Koma und am Tag darauf, dem 30. November, versagten seine Nieren und er erlag seinem schweren leiden.

In der Gestalt seines Heteronymen Alberto Caeiro sagte Fernando Pessoa einmal über sich selbst:
„Wenn ihr nach meinem Tod meine Biographie schreiben wollt, so ist nichts leichter als dies. Sie hat nur zwei Daten – Geburts- und Todestag. Alle Tage dazwischen gehören mir!“

Im Jahre 1988, anlässlich seines einhundertsten Geburtstags, wurden seine Gebeine vom Friedhof Prazeres (port.: Cemitério dos Prazeres) in das berühmte Lissabonner Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jeronimos), einem der portugiesischen Heiligtümer, überführt.
Hier ruht er nun neben Männern wie Vasco da Gama, Luis Váz de Camões und König Manuel I.
Ihm wurde damit eine Ehre zuteil, die ihm zu Lebzeiten stets verwehrt worden war.

Samstag, 19. Mai 2012

Ach, wenn ich doch nur könnte…


Nächsten Dienstag, den 22. Mai 2012, wird das Auktionshaus World Legend in Lissabon einen Schreibtisch und eine Schreibmaschine des portugiesischen Dichters, Lyrikers und Schriftstellers Fernando Pessoa versteigern.

Fernando Pessoa, der nach dem großen Luis de Camões als der bedeutendste Poet Portugals gilt und Autor solch berühmter Werke wie „O Banqueiro Anarquista“ (dt.: „ Ein anarchistischer Bankier“), „O Guardador de Rebanhos“ (dt.: Der „Schafhirte“) und „Mensagem“ (dt.: „Botschaft“) ist, benutzte sowohl den Schreibtisch als auch die Schreibmaschine als er bei der Portugiesischen Gesellschaft für Sprengstoffe (port.: Sociedade Portuguesa de Explosivos) als Fremdsprachenkorrespondent angestellt war.

Die Sociedade Portuguesa de Explosivos, ehemals im 1.Stockwerk eines Hauses im Largo do Corpo Santo nº 28, unweit des Cais do Sodré gelegen, ist ein Ort den Pessoa mehrere Male in Briefen an seine Freunde erwähnt.
So schreibt er seinem Freund Mario de Sá Carneiro im Jahre 1915, wie er am Schreibtisch seines Büros sitzend, oftmals seine persönliche Korrespondenz und viele seiner Gedichte auf seiner Schreibmaschine Marke „Royal“ tippt.

Der schwere Schreibtisch aus Mahagoni, mit jeweils vier Schubladen auf der linken und auf der rechten Seite, soll dem Aktionshaus zwischen 10.000 und 20.000 Euro einbringen.
Die Schreibmaschine soll für 3.000 bis 5.000 Euro versteigert werden.

Bei diesen zwei Objekten handelt es sich also nicht um Dinge aus dem Privatbesitz des Künstlers, aber sehr wohl um Objekte aus dem Leben eines der größten Schriftsteller Portugals und der portugiesischsprachigen Literatur.
Hätte ich das nötige Kleingeld, so würde ich liebend gerne am kommenden Dienstag bei der Auktion mitbieten und so einiges dafür tun, um in den Besitz des Schreibtisches zu kommen.
Ach, wenn ich doch nur könnte…

Dienstag, 15. Mai 2012

Portugiesische Literatur in der Bibliothek von Shanghai


Das portugiesische Generalkonsulat in Shanghai (port.: Xanghai) hat letzte Woche, auf diplomatischem Wege, der Bibliothek von Shanghai, die nach der Nationalbibliothek in Peking die zweitgrößte öffentliche Bibliothek Chinas ist, eine Schenkung portugiesischsprachiger Bücher zukommen lassen.
Initiator dieser Schwenkung, die am vergangenen 08. Mai erfolgte, ist das portugiesische Sprachinstitut „Instituto Camões“ gewesen.

Die Bibliothek von Shanghai, die mit über 50 Millionen verschiedenen Schrift- und Tonstücken und knapp 2 Millionen Büchern zu den größten Bibliotheken der Welt gehört, erhielt anlässlich des „Tages der Portugiesischen Sprache“ (port.: „Dia da Lingua Portuguesa“), insgesamt 47 verschiedene Publikationen portugiesischer Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler.
Zu diesen Publikationen gehören verschiedene Bücher, Lexika, CD´s und DVD´s.

So erhielt die Bibliothek von Shanghai, unter anderem, eine Ausgabe des Heldenepos „Os Lusíadas“, des portugiesischen Nationaldichters Luís Vaz de Camões, eine Ausgabe von „A Viagem do Elefante“, des Nobelpreisträgers José Saramago und den Roman „O Esplendor de Portugal“, des von mir so geschätzten Autors António Lobo Antunes.
Zu der Schenkung gehören auch verschiedene poetische Werke des Romanciers Eça de Queiroz und ausgesuchte Fachliteratur über Musik, Moderne Kunst und die Geschichte Portugals.

China gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in denen das Interesse an der portugiesischen Sprache und Kultur in den letzten Jahren merklich zugenommen hat.
So erlernen heutzutage, nach Angaben der chinesischen Behörden, fünf Mal mehr Chinesen die portugiesische Sprache, als es noch vor fünf Jahren der Fall war.
Die Bibliothek von Shanghai, die im Dezember 1996 ihre Türen für die Öffentlichkeit öffnete, hatte bis dato, nach Angaben ihres Direktors Wu Jianzhong, nur zehn verschiedene portugiesischsprachige Bücher in ihren Regalen stehen, die alle ursprünglich aus Macau stammten und stets vergriffen waren.

Mit der Schenkung die letzten Dienstag erfolgte, will nun das „Instituto Camões“ das Sortiment der Bibliothek von Shanghai ein wenig bereichern.

Samstag, 12. Mai 2012

Fatima, Altar der Welt



In dem Moment in dem ich diese Zeilen schreibe, laufen in den Abendnachrichten des portugiesischen Fernsehens beeindruckende Bilder der Lichterprozession in Fatima.
Der weltberühmte portugiesische Wallfahrtsort Fatima liegt mitten in Portugal auf dem einst öden Hochland von Cova da Iria, gut 20 km südöstlich der Stadt Leiria.
Alljährlich pilgern bis zu 5 Millionen Gläubige aus aller Welt an diesen Ort, um die Vergebung ihrer Sünden zu erbitten oder Heilung zu erflehen.
Die Hauptwallfahrten, die alljährlich am 13. Mai und am 13. Oktober stattfinden, werden immer von den von mir schon erwähnten großen Lichterprozessionen begleitet, die jeweils immer in der Nacht vom 12. auf den 13. stattfinden.

Am 13.Mai 1917, und weiterhin am 13. eines jeden Monats bis zum Monat Oktober desselben Jahres, soll den drei Hirtenkindern (port.: Três pastorinhos) Lucia de Jesus sowie Francisco und Jacinta Marto, nahe des damals unbedeutenden Dorfes Fatima die Muttergottes vom Rosenkranz (port.: „Virgem do Rosário) in einem Lichtstrahl erschienen sein, als sie ihre Schafe hüteten.

Die Nachricht der Erscheinung verbreitete sich rasch und zunächst verhielt sich die Kirche gegenüber diesen Visionen skeptisch, um nicht zu sagen ablehnend.
Dennoch pilgerten bei der letzten Erscheinung am 13. Oktober 1917 über 70.000 Menschen nach Fatima um der erhofften Marienerscheinung beizuwohnen.
Und angeblich wurden diese Menschen nicht nur Zeugen der Marienerscheinung, sondern auch eines merkwürdigen Naturschauspiels:
Bei strömenden Regen soll die Sonne damals plötzlich begonnen haben, sich als Feuerball um ihre eigene Achse zu drehen und dabei bunte Strahlenbündel auszusenden, die die Erde ringsum berührten.
In den Tagen nach diesen Ereignissen soll es zu einigen wundersamen Krankenheilungen gekommen sein: so konnten angeblich auf einmal Blinde plötzlich sehen, Lahme plötzlich gehen und Taube plötzlich hören.

Aber nur die drei Kinder konnten die Jungfrau sehen und nur Lucia konnte sie auch hören. Lucia war auch die einzige, der die Jungfrau Maria die drei Prophezeiungen von Fatima verkündete.
Die erste Prophezeiung betraf das Nahe Ende des 1. Weltkrieges.
Die zweite Prophezeiung sagte den Niedergang des kommunistischen Russlands voraus, und das wenige Wochen bevor die Kommunisten überhaupt die Macht in Russland übernahmen.
Die dritte Prophezeiung wurde bis zum Jahre 2000 verschlossen im Vatikan aufbewahrt und soll angeblich das Attentat auf Papst Johannes Paul II am 13. Mai 1981 vorausgesagt haben. Eine genaue Stellungsnahme ist aber hierzu bis heute nicht aus dem Vatikan herausgegeben worden.

Die kirchlichen Behörden untersuchten mehrere Jahre lang die Vorfälle und erkannten den Madonnenkult von Fatima schließlich 1930 offiziell an.
Erst am 13. Mai 1963 erteilte Rom seine Bewilligung für eine eigene Messe in der Basilika von Fatima, zu Ehren der „Nossa Senhora de Fatima“ (dt.: Jungfrau von Fatima).
Sechs Jahre später, am 13. Mai 1969, kam Papst Paul VI, als erster päpstlicher Pilger nach Fatima und titulierte den Wallfahrtsort mit dem Namen „altar do mundo“ (dt.: „Altar der Welt“), einen Namen den Fatima bis heute mit Stolz trägt.

Auch wenn man kein gläubiger Katholik ist, so ist Fatima alleine schon wegen seiner Bauwerke und wegen seiner riesigen Dimensionen ein Besuch wert.
Geradezu gigantische Ausmaße, nämlich über 150.000 qm², hat der Versammlungsplatz von Fatima, den viele gläubige auf den Knien rutschend, manchmal sogar auf allen vieren, durchmessen.
Wenn man bedenkt, dass der Petersplatz in Rom gerade mal nur halb so groß ist, wird man sich über die Dimensionen die in Fatima existieren erst richtig bewusst.

Beherrscht wird der Versammlungsplatz von der neobarocken Basílica Nossa Senhora do Rosário (dt.: Basilika der Muttergottes vom Rosenkranz) mit ihrem 65 m hohen zentralen Glockenturm.
Mit dem Bau der Basilika, die ein Werk des niederländischen Architekten Gerard van Krieken ist, wurde am 13. Mai 1928 begonnen.
Im Inneren befinden sich die Grabstätten der Geschwister Francisco und Jacinta Marto, die bereits 1919 bzw. 1920 verstarben, und das Grab ihrer Cousine Lucia de Jesus, deren sterbliche Überreste im Jahre 2006 hierher überführt wurden.
Nach beiden Seiten hin verbinden imposante Säulengänge die Basilika mit den ausgedehnten Kloster- und Hospitalgebäuden.

An der Stelle, an der die Jungfrau Maria 1917 den Kindern in den Zweigen einer Steineiche (port.: azinheira) erschienen sein soll, steht heute die Capela das Aparições (dt.: Erscheinungskapelle) vor der Basilika.
Ursprünglich stand hier eine kleine, schlichte Kapelle.
Diese Kapelle wurde damals vom 28. April bis zum 15. Juni 1919 von dem Maurer Joaquim Barbeiro, aus dem nahen Dorf Santa Catarina da Serra, aus einfachsten Mittel erbaut.
Am 06. März 1922 zerstörten Unbekannte bei einem Sprengstoffanschlag diese Kapelle.
Noch im selben Jahr wurde dann an gleicher Stelle wieder eine Kapelle erbaut, deren Fundamente die heutige Kapelle tragen.

Die Marienstatue der „Nossa Senhora de Fatima“ in der Kapelle ist das Wahrzeichen von Fatima. Sie ist ein Werk des Bildhauers José Ferreira Thedim und wurde am 13. Mai 1920 von Gilberto Fernandes dos Santos gestiftet.
Die Marienstatue, die aus brasilianischem Zedernholz ist, misst gerade mal 1,10 m.

Gegenüber der Basilika, auf der anderen Seite des riesigen Platzes, steht die am 13. Oktober 2007 eingeweihte Igreja da Santissima Trindade (dt.: Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit).
Diese Kirche, mit ihren 8.633 Sitzplätzen und einer überdachten Fläche von 40.000 qm², ist der viertgrößte Kirchenbau der Welt und ein Werk des griechischen Architekten Alexandros Tombazis.
Sie ist, und darauf legt die katholische Kirche großen Wert, alleine durch Spenden von gläubigen Fatimawallfahrern erbaut worden.
Unweit der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit steht ein 3,60 m hohes und 2.600 kg schweres Fragment der Berliner Mauer, das an die zweite Prophezeiung erinnern soll, die das Ende des Kommunismus voraussagte.

Wer generell nichts für Pilgerstätten übrig hat, sollte Portugals größten und bedeutendsten Wallfahrtsort meiden, denn dieser Ort hat heute leider mehr das Flair eines für die Abfertigung von Hunderttausenden konzipierten religiös angehauchten Disneylands als den eines wahrlich heiligen Ortes.
Nichtsdestotrotz ist Fatima ein außergewöhnlicher Ort, den man auf alle Fälle einmal besuchen sollte.

Freitag, 11. Mai 2012

Die gefangenen Studenten vom 11. Mai 1962

Die Studentenunruhen die Ende der 60er Jahre in vielen Ländern der Welt, leider oftmals auch mit Gewalt, für frischen politischen Wind sorgten sind ein Teil der Geschichte vieler Nationen dieser Zeit.

Was viele heute nicht wissen ist, das diese Studentenunruhen, die im Jahre 1968 weltweit ihren Höhepunkt erreichten, hier in Portugal schon wesentlich früher begannen.
Schon im Jahre 1961 war es an den Universitäten von Coimbra und Lissabon zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Studenten dieser zwei Bildungsanstalten und den Polizeikräften des damaligen Diktators António de Oliveira Salazar gekommen.
Die Studenten, die damals auf die Straße gingen, waren mit ihren Forderungen nach mehr politischen Freiheiten, zweifelsohne die Vorreiter der Revolutionäre des 25. April 1974.

Da aber Salazar kein allzu großer Freund von „Freiheiten“ war, veranlasste er, dass seine Polizei immer härter gegen die politisch engagierten Studenten vorging.
Dies verschärfte den Konflikt an den portugiesischen Universitäten zusehends.

Im April 1962 begannen zahlreiche Studenten an der Universität von Lissabon (port.: Universidade de Lisboa) den Unterricht zu boykottieren und viele von ihnen schlossen sich spontanen friedlichen Demonstrationen an.
Einige von ihnen traten sogar, um ihren Forderungen nach politischer und kultureller Freiheit mehr Ausdruck zu verleihen, einem Hungerstreik bei.

Salazar und sein Regime beobachteten diese Aktivitäten an der Lissabonner Universität zunehmend mit Besorgnis.
Anfang Mai befahl Salazar seiner Geheimpolizei PIDE mit allen Mitteln weitere Eskalationen und politische Aktivitäten an der Universitäten zu unterbinden.
Als sich der gesundheitliche Zustand der Studenten, die sich im Hungerstreik befanden, zunehmend verschlechterte, entschied sich Salazar zu handeln.

In den Morgenstunden des 11. Mai 1962, also vor genau 50 Jahren, umzingelte eine Hundertschaft der Polizei die Mensa der Lissabonner Universitätsstadt (port.: cidade universitária), wo die Studenten damals seit Tagen versammelt waren, und nahm alle Studenten fest.
Die Studenten die sich im Hungerstreik befanden wurden in Lissabonner Krankenhäuser eingewiesen und sofort zwangsernährt. Die anderen von ihnen wurden als „politische Revolutionäre“ in Gewahrsam genommen und auch als solche später verurteilt.

Über 1.500 junge Menschen wurden an diesem Tag von der Polizei verhaftet!
Sie wurden auf dem Campus der Universität zuerst zusammengetrieben und dann mit grünen Doppeldeckerbussen der öffentlichen Verkehrsbetriebe Carris zu der Lissabonner Zivilverwaltung (port.: Governo Civil de Lisboa) gefahren, wo sie dann fotografiert und ihnen die Fingerabdrücke abgenommen wurden, so als ob es sich bei ihnen um Schwerstkriminelle handeln würde.

Nachdem sie kriminaltechnisch Identifiziert waren, wurden sie von der Polizei tagelang vernommen, teilweise sogar zusammengeschlagen, bis man von jedem einzelnen ein „Geständnis“ hatte.
Die meisten von ihnen wurden dann wieder in Doppeldeckerbusse gesteckt und danach in das berüchtigte Gefängnis für politische Gefangene in Caxias, bei Lissabon, gesteckt.
Hier verbrachten sie dann mehrere Wochen, manche von ihnen sogar Monate, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen wurden.

Aber viele von ihnen, wie Jorge Sampaio, der spätere Staatspräsident Portugals, João Cravinho, der spätere portugiesische Bauminister oder Ruben de Carvalho, der heute für die kommunistische Partei im Parlament sitzt, sahen ihre damalige Entlassung aus dem Gefängnis von Caxias keineswegs als Befreiung.
Im Gegenteil, viele von ihnen gingen später in den Untergrund und kämpften weiter gegen das diktatorische Regime von Salazar und seinem Nachfolger Marcelo Caetano.

Das damals, an einem einzigen Tag, 1.500 junge Menschen festgenommen werden konnten, ist heute kaum noch vorstellbar.
Aber, so vieles von damals ist heute noch kaum vorstellbar!

Sicherlich, man kann die heutige Zeit auch keinesfalls mit der damaligen vergleichen.
Aber, und da bin ich mir sicher, auch heute träumt sicherlich der eine oder andere Politiker davon, mal auf einem Schlag 1.500 Demonstranten festzunehmen, wenn diese auf den Straßen Portugals mal wieder für mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Bildung, einem besseren Gesundheitswesen und mehr politischen Freiheiten aufbegehren.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Bibliotecas XXI



Eigentlich kommt in letzter Zeit kaum noch etwas sinnvolles und produktives aus dem Lissabonner Rathaus (port.: Câmara Municipal de Lisboa) und Bürgermeister António Costa kann seine Bürger nur noch selten mit positiven Neuigkeiten überraschen.

Umso mehr überrascht es da, das in einer gestrigen Ratsversammlung (port.: reunião de câmara) beschlossen wurde, das die Stadt Lissabon bis zum nächsten Jahr insgesamt 4 Millionen Euro in die öffentlichen Bibliotheken investieren will.
In Zeiten knapper Kassen ist eine Investition von 4 Millionen Euro wahrlich eine gute Nachricht, zumal wenn dieses Geld in die Kultur investiert wird.

Laut der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA sollen diese 4 Millionen Euro dazu benutzt werden, um bis zum Jahre 2013, vier städtische Bibliotheken finanziell zu unterstützen und sie zu modernisieren.

So soll die Stadtbibliothek im Palácio Galveias, im Stadtteil Nossa Senhora de Fatima gelegen, vollkommen renoviert und zum Teil mit neuen Büchern bestückt werden.
Die Bibliothek im Stadtteil Alvalade wird ihren jetzigen Standort verlassen und in den großen und neu sanierten Palácio dos Coruchéus umziehen.
Die Bibliothek in der Hemeroteca (lesen sie bitte hierzu auch meinen Blogeintrag vom 26. Januar 2010 „Die Hemerothek von Lissabon“) wird in den Stadtteil Lapa verlegt und im dortigen Sportzentrum unterkommen. Laut Bürgermeister António Costa soll so zukünftig in Lapa ein Ort der „sportlichen und kulturellen Begegnung“ entstehen.
Im Stadtteil Marvila, wo es bis dato keine öffentliche Bibliothek gab, soll letztendlich sogar eine komplett neue Stadtbibliothek entstehen.

Diese Investitionen der Stadt Lissabon laufen unter dem Projektnamen „Bibliotecas XXI“ und sollen bis 2024 alle 18 öffentlichen Bibliotheken Lissabons finanziell und kulturell unterstützen.
Bürgermeister António Costa erhofft sich dadurch den Bürgern der Stadt, im Zeitalter der modernen Medien, „das Buch“ wieder näher zu bringen.
Dies dürfte nicht allzu schwierig sein, wenn man bedenkt, dass alleine letztes Jahr immerhin an die 700.000 Menschen die öffentlichen Bibliotheken der Stadt Lissabon besucht haben!

Montag, 7. Mai 2012

Dia da Marinha 2012



Im Monat Mai feiern wir hier in Portugal traditionell den „Dia da Marinha“ (dt.: Tag der Marine).
Dieser Tag, der alljährlich am 20. Mai gefeiert wird, geht auf den 20. Mai 1498 zurück.
An diesem besonderen Tag landete der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama am Strand von Kappakadavu, nördlich der Stadt Calecut, mit seiner Flotte an und entdeckte so den Seeweg nach Indien (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Vasco da Gama“ vom 12. Januar 2012).
Dieses Ereignis, am Ende des 15. Jahrhunderts, gilt noch heute als die höchste Leistung der portugiesischen Marine (port.: marinha portuguesa).
Dieser Leistung gedenkt man, wie schon erwähnt, jedes Jahr im Mai.

Die Stadt Almada wird in diesem Jahr die Feierlichkeiten zum „Dia da Marinha“ ausrichten.
Vom 12. bis zum 20. Mai 2012 wird sich dann die portugiesische Marine wieder einmal mit den verschiedensten Aktionen, Veranstaltungen, einer Regatta, einer Ausstellung und sogar einem Konzert den Bürgern präsentieren.

An allen Tagen wird es dem Publikum möglich sein an verschiedenen Flugsimulatoren (port.: simuladores de voo) und Navigationssimulatoren (port.: simuladores de navegação) auszuprobieren, wie sich z.B. ein Marinehubschrauber oder eine Fregatte manövrieren lässt.
Ein Tauchkurs für Kinder wird ebenfalls angeboten werden.

Während dieser Tage wird einem auf dem Marinestützpunkt Alfeite außerdem die Gelegenheit geboten werden, mit verschiedenen Barkassen und Torpedobooten den Tejo zu befahren.
Außerdem wird man die Möglichkeit haben, unter anderem, eine Marinefregatte, eine Korvette und das Segelschulschiff „Sagres“ (port.: Navio Escola „Sagres“) zu besuchen, welches dieses Jahr seinen 75sten Geburtstag feiert.

Am Freitag, dem 18. Mai 2012, wird dann abends die Marinekapelle der Portugiesischen Armada (port.: Banda da Armada) auf dem zentralen Platz Almadas, der Praça São João Batista, ein Freiluftkonzert geben.

Eine kirchliche Messe in der Pfarrkirche Nossa Senhora da Assunção (port.: Igreja Paroquial de Nossa Senhora da Assunção) in Almada und eine militärische Zeremonie der Seestreitkräfte auf dem Platz vor dem Museumsschiff „Fragata Dom Fernando II e Glória“ in Cacilhas werden dann am 20. Mai die Feierlichkeiten zum Tag der Marine schließlich beenden.

Da für die kommenden Tage schönes Wetter vorhergesagt ist, hoffen die Veranstalter auf viele Besucher.
Wer noch nie an einem „Dia da Marinha“ teilgenommen hat, dem kann ich nur empfehlen ab dem 12. Mai in Almada vorbeizuschauen.
Sie werden es sicherlich nicht bereuen!

Sonntag, 6. Mai 2012

Meiner Mutter zum Muttertag – Para a minha Mãe pelo Dia da Mãe




Mutter,
ich möchte Dir für all die Freundschaft, für all die Unterstützung und für die stets helfende Hand die Du mir ein Leben lang entgegengestreckt hast, danken.
Ebenso möchte ich Dir danken Mutter, für all die Liebe die Du mir immer gegeben hast.
Jeden Tag meines Lebens, warst Du mir eine gute Freundin, warst mir stets ein Beispiel und zweifellos bist Du auch mein größtes Vorbild.
Danke Mutter, für all die Tage die Du Carla Marina, Vater und mir gewidmet hast.
Dank Dir sind wir heute die Familie die wir sind!Heute ist Muttertag, und ohne Zweifel, dieser Tag gehört alleine Dir und all den Müttern die so sind wie Du!
Um die Wahrheit zu sagen, eine so würdevolle Mutter wie Du, mit solch einem Herzen voller Liebe und Träume, verdient wahrlich mehr solcher Tage wie den heutigen.
Danke für Deine Liebe, Deine völlige Hingabe und all Deine Unterstützung.
Danke, dass Du meine Mutter bist!

Ich liebe Dich
Ângelo Paulo

Ich widme diese Zeilen meiner Mutter Maria Luisa zum heutigen Muttertag.
Während der Muttertag in Deutschland immer am zweiten Sonntag im Mai gefeiert wird, wird er hier in Portugal stets eine Woche früher, also am ersten Sonntag im Mai, gefeiert.
Dies war aber nicht immer so.
Bis zum Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde der Muttertag in Portugal stets am 08. Dezember, dem Tag von Maria Empfängnis (port.: Dia de Nossa Senhora da Conceição), gefeiert.
Nossa Senhora da Conceição ist seit dem Jahre 1644 die Schutzpatronin Portugals.



Mãe,
quero agradecer a tua amizade, o teu apoio e a tua mão,que nunca deixou de amparar os meus passos e toda a minha vida.
Agradeço-te também mãe, todo o carinho que sempre me dedicaste.
Cada dia que passa tornaste-te mais minha amiga, tornaste-te o meu melhor exemplo e, sem dúvida alguma, és a minha maior referência de vida e também a minha maior amiga.Obrigado mãe, por todos os dias que sempre dedicastes à Carla, ao pai e a mim.
Graças a ti somos hoje a família que somos!
Hoje é o Dia da Mãe, e sem dúvida, este dia é todo teu e de todas as mães como tu!
Pois dizendo a verdade, uma mãe tão digna como tu, com um coração tão cheio de amor e cheio de sonhos, merece na realidade mais dias como o de hoje.
Obrigado pelo teu carinho, a tua total atenção e todo o teu apoio.
Obrigado por seres a minha mãe!

Adoro-te
Ângelo Paulo

Dedico estas linhas à minha mãe Maria Luisa pelo Dia da Mãe.
Enquanto o Dia da Mãe na Alemanha é sempre festejado no segundo domingo de Maio, aqui em Portugal, comemora-se este dia sempre uma semana antes, no primeiro domingo de Maio.
Mas nem sempre foi assim.
Até ao final dos anos 70 do século passado festejava-se em Portugal o Dia da Mãe sempre no dia 08 de Dezembro, Dia de Nossa Senhora da Conceição (dt.: Maria Empfängnis).
Desde 1644 que a Nossa Senhora da Conceição é a padroeira de Portugal.

Samstag, 5. Mai 2012

Hipstamatic-Ausstellung in Porto



Von Michael Leinsinger, einem treuen Leser meines Blogs und großen Liebhaber Portugals, bin ich diese Woche auf eine internationale Ausstellung aufmerksam gemacht worden, die am heutigen 05. Mai 2012 in der „Galeria do Colectivo f4“, in der Stadt Porto eröffnet wird.

Bei dieser Exposition handelt es sich um eine Gemeinschaftsausstellung verschiedener Fotokünstler, die ihre Bilder nicht etwa mit einer „richtigen“ Kamera aufgenommen haben, sondern mit einem iPhone und einem speziellen App, das von der Firma Apple herausgebracht wurde.
Diese App heißt „Hipstamatic“ und „Hipstamatic“ lautet auch der Name der Ausstellung.

Bei „Hipstamatic“ kann ein jeder mit seinem iPhone Bilder machen, diese dann mit den verschiedensten Effekten, Vignetten, Farbfiltern und ausgefransten Rändern bereichern.
Diese besondere Gestaltung der Bilder führt dazu, dass eigentlich langweilige, quadratische Handy-Fotografien, plötzlich eine besondere Leichtigkeit und Lockerheit erhalten, die oftmals mit dem ursprünglichen Bild kaum noch etwas zu tun haben.
So können viele Fotos, die eigentlich nicht über eine mäßige Qualität hinausgehen, mit ein Paar Überstrahlungen und verschiedenen Unschärfeschleiern zu richtigen kleinen Kunstwerken im Retrolook werden.

Diese kleinen Kunstwerke sind wie gesagt ab heute in der Galerie mit dem Namen „Galeria do Colectivo f4“ in der nordportugiesischen Stadt Porto zu bewundern.
Bis Freitag, den 25. Mai 2012, ist ein Besuch der Ausstellung möglich.

Die genaue Anschrift der Galerie, die die Fotokunstwerke ausstellt, lautet:

Exposição Hipstamatic
Galeria do Colectivo f4 – Porta 22
Rua do Ferraz n° 22
Porto

Donnerstag, 3. Mai 2012

War der „Tag der Arbeit“ doch eher ein „Tag des Fremd Schämens“?


Heute wurde ich von meinem hier in Lissabon lebenden deutschen Freund Thomas Maurer gefragt, warum ich hier in meinem Blog nicht über die Ereignisse berichtet habe, die sich hier landesweit am 01. Mai in den Supermärkten „Pingo Doce“ zugetragen haben und ob ich keine eigene Meinung zu der ganzen Sache hätte.

Natürlich habe ich meine eigene Meinung und natürlich habe ich mir zwei oder dreimal überlegt hier in meinem Blog über die Geschehnisse zu schreiben, die sich am „Tag der Arbeit“ hier in besagten Supermärkten zugetragen haben.

Aber, und das habe ich schließlich versucht Thomas auch zu erklären, ich schreibe hier in „Planet Portugal“ nur über Dinge die mich wirklich interessieren und für die ich mich nicht fremd schämen muss.
Und was sich an besagtem Tag in besagten Supermärkten ereignete, hat mich, ganz ehrlich, zwar nicht interessiert, mich aber dann sehr wohl zum fremd schämen gebracht.
Warum ich mich fremd geschämt habe erkläre ich etwas später.

Für alle die, die außerhalb Portugals leben und deshalb nicht wissen,
was sich hier am 01. Mai dieses Jahres zugetragen hat, hier eine kurze Erklärung:

Die Supermarktkette „Pingo Doce“, die zum Einzelhandelsimperium Jerónimo Martins gehört, der übrigens eines der Umsatzstärksten und größten Handelskonzerne Portugals ist, hat am vergangenen Dienstag ihren Kunden eine Werbecampagne offeriert, die es, zugegebener Maßen, in sich hatte.
Diese Werbecampagne lautete wie folgt:
Wer am „Tag der Arbeit“ bei Pingo Doce für über 100 Euro Einkäufe betätigte, musste am Ende nur 50 % des Warenwertes an der Kasse bezahlen!
Nun, in Zeiten knapper Hauhaltskassen ist eine solche Campagne für viele natürlich ein Knaller.

Ob allerdings die Arbeiter und viele Kunden von „Pingo Doce“, die an diesem Tag nicht in den Genuss des Rabatts von 50 % kamen, auch der Meinung sind, das diese Campagne ein Knaller war, sei mal dahin gestellt.
Nun zu der Stelle, an der ich gerne erklären will, warum ich mich fremd geschämt habe.

Als ich im Fernsehen die ersten Bilder der chaotischen Zustände gesehen habe, die sich in und vor den einzelnen Filialen des „Pingo Doce“ abspielten, konnte ich es erst gar nicht glauben.
Da spielten sich tumultartige Szenen ab, die einfach nur abstoßend, grotesk und niveaulos waren und die Menschen zeigten, die zu wahren kaufwütigen Zombies mutiert waren.

Missverstehen wir uns nicht:
Ich kann es verstehen, das in denn schwierigen Zeiten die wir gerade hier in Portugal leben, viele Menschen versuchen billiger an ihre Lebensmittel zu kommen und solche Werbeaktionen nutzen.
Aber gehören z.B. teure Spirituosen, Weine, Zigaretten, Schokolade oder Parfum zu den Grundnahrungsmitteln?
Und muss man, um an diese Sachen ranzukommen, andere Menschen schlagen, treten und schubsen bis diese hinfallen?
Muss man Verkäufer am „Tag der Arbeit“ bedrohen und nötigen, nur damit man an seine Steaks, seinen Reis oder seinen Fisch rankommt?
Muss man private Sicherheitskräfte, die eigentlich nur für Ordnung und Sicherheit im Rahmen des Möglichen sorgen wollten, attackieren und mit Eiern bewerfen?
Muss man Polizisten, die mancherorts zu einem Großeinsatz gerufen werden mussten, verhöhnen und verspotten?

Nun, da ich auf alle diese meine Fragen bis heute keine zufrieden stellende Antwort erhalten habe, hielt ich es erst einmal nicht für nötig, hier in meinem Blog über die Ereignisse vom 01. Mai zu schreiben.
Aber dieser Eintrag hier, ist nun der beste Beweis dafür, dass ich letztendlich doch auch über Dinge schreiben kann, die ich im tiefsten meines Herzens, nicht verstehe und für die ich mich auch leider fremd schämen muss!

„Es geht alles, man muss es nur wollen!“, sagte Thomas zu mir, und motivierte mich so zu diesem Eintrag zu später Stunde.

Samstag, 28. April 2012

Der Freiheitswille des Volkes von Timor ist schier unermesslich



Mitte dieser Woche stellte die portugiesische Schriftstellerin Sónia Neto in Brüssel, im Beisein von Martin Schulz, seines Zeichens Präsidenten des Europäischen Parlaments, und José Manuel Durão Barroso, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, ihr neues Buch „Por Timor – Memórias de Dez Anos de Independência“ (dt.: Für Timor – Erinnerungen an zehn Jahre Unabhängigkeit) vor.

In diesem Buch, das wie der Name schon sagt über die Unabhängigkeit Ost-Timors handelt, erwähnt die Schriftstellerin unter anderem, das der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl, während seiner Amtszeit in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, einer Unabhängigkeit des kleinen Inselstaates Timor vom riesigen Inselreich Indonesien eher skeptisch, um nicht zu sagen abweisend, gegenüberstand.

So soll Kohl damals angeblich mehrmals vor seinen europäischen Partnern erwähnt haben, er hätte das Thema Ost-Timor einfach nur „satt“ und er wäre es „leid“ andauernd von Portugal, das sich damals für eine Unabhängigkeit von Timor stark machte, zu diesem Thema angesprochen zu werden. Er fühle sich schlichtweg „belästigt“!

Diese Äußerungen werden nun vom portugiesischen Staatspräsidenten Aníbal Cavaco Silva, der damals das Amt des Premierministers in Portugal innehatte, bestätigt.

Das Helmut Kohl es leid war über Timor zu sprechen, hing wohl in erster Linie damit zusammen, das ihn eine enge Männerfreundschaft mit dem damaligen indonesischen Staatspräsidenten Suharto verband.
Diese Männerfreundschaft und die wirtschaftlichen Vorteile die aus ihr resultierten, spielten damals für Kohl eine wichtigere Rolle als die eklatanten Menschenrechtesverletzungen die sich in Ost-Timor, offen vor den Augen aller Welt, abspielten. Er nahm diese Menschenrechtsverletzungen und das weitere Morden von Menschen in Timor durch die Indonesier ohne sehr große Skrupel in Kauf.

Das Helmut Kohl sich damals offen hinter Indonesien stellte und Portugal bei seinem Bestreben nach Freiheit auf der Insel Timor nicht unterstützte, haben ihm viele Portugiesen, unter anderem auch ich, sehr übel genommen.
Ich konnte es damals nicht verstehen, wieso sich Kohl, der sich so gerne als „Kanzler der Einheit“ feiern ließ, es nicht akzeptieren wollte, das ein kleines Volk auf der anderen Seite der Erdhalbkugel ebenfalls nach Freiheit und Demokratie strebte, so wie zuvor die Bürger der ehemaligen DDR.

Aber Helmut Kohl ist heute Geschichte.
Er war sicherlich ein großer Bundeskanzler und hat auch politisch viel bewegt aber er war auch zweifelsohne ein Egozentriker aus Überzeugung.
Er ist nicht nur als der „Einheitskanzler“ in die Geschichte eingegangen, sondern auch als der Kanzler dessen schlimmste Auswirkung seiner 16jährigen Dauerregentschaft es wohl war einer ganzen Nation, und vor allem der jungen Generation von damals, vorgelebt zu haben, das es sich angeblich lohnt, in erster Linie an sich und nur an seine eigenen Interessen zu glauben.
Mit seiner Machtgier und seinen dubiösen Freunden, die ihm mit Parteispenden versorgten, hat er zweifelsohne eine gewisse Zeit lang eine beinahe völlige Entsolidarisierung der Gesellschaft ausgelöst.

Ost-Timor wurde letztendlich, auch ohne die Hilfe von Helmut Kohl, ein unabhängiger Staat.
Am 20. Mai 2002 wurde Timor von Indonesien in die Unabhängigkeit entlassen und als Timor-Lorosae (port.: Timor-Leste / dt.: Ost-Timor) als erste Nation des 21. Jahrhunderts in die Weltgemeinschaft aufgenommen.
Seitdem hat sich dieser kleine Inselstaat, trotz all seiner politischen und wirtschaftlichen Probleme, in der Welt einigermaßen gut behaupten können.

Aber es ist nicht leicht Timor zu regieren.
Schon die Kolonialmacht Portugal hatte einstmals ihre Probleme mit diesem kleinen Eiland.
Auch die Indonesier, die den Portugiesen folgten, hatten ihre liebe Mühe mit der Insel und dem Freiheitswillen seiner Bürger.
Und selbst jetzt, zehn Jahre nach der Unabhängigkeit, ist Timor alles andere als leicht zu regieren.

Von Xanana Gusmão, dem historischen Guerillakämpfer, späteren Staatspräsidenten und heutigen Prämierminister Timors sind die folgenden Worte überliefert:
„Schnell habe ich begriffen, dass es schwieriger ist Timor in Zeiten des Friedens zu führen als in Zeiten des Krieges. Der Freiheitswille des Volkes von Timor ist schier unermesslich“

(port.: „Rapidamente compreendi que é mais difícel liderar Timor em tempos de paz do que em tempos de guerra. A ânsia de liberdade do povo de Timor é imensa“).

So gesehen, hat auch ein Helmut Kohl der Freiheitsliebe dieses Volkes und dieser Nation nichts anhaben können.

Newsletter von Conlusa 54


Herausgegeben wird dieses Newsletter von Stephan Stieb und seinem Conlusa-Team (CONLUSA, Avenida Marques Leal 9, São João do Estoril, 2765-495 Estoril, Portugal), welches auch die völlige redaktionelle Verantwortung trägt.


NEWSLETTER Nº 54: Was sie unbedingt bei Renovierungsarbeiten wissen sollten und unsere Event-Empfehlung!


Fangen wir dieses mal andersherum an: Am 08. Juni 2012 findet zum dritten Mal das kleine, aber feine Event „SONS E SABORES“ in Penedo, ein Dorf in der Serra de Sintra, statt. Der Gewinn aus dieser Veranstaltung wird der Dorfgemeinschaft für soziale Zwecke überlassen. CONLUSA sponsert, wie jedes Jahr, das Klavier, auf dem Mário Laginha uns begeistern wird. Dieses Mal hat er noch einen anderen Musiker und Pianisten eingeladen, nämlich Bernardo Sassetti. Als Kontrast- und Vorfreudeprogramm gilt das Buffet, das uns vor dem Konzert in die richtige Stimmung versetzen soll. Zubereitet wird es von der Chefköchin Mimi vom bekannten Lissabonner Restaurant „Kais“. Mehr Informationen können Sie bei www.insider-cooking.com abrufen. Dort erfolgt auch der Kartenverkauf. Wir empfehlen schnell zu handeln, denn erfahrungsgemäß sind die insgesamt 140 Karten schnell ausverkauft!

Nun zu dem anderen Thema: Sollten Sie jetzt angesichts des Frühlings daran denken Ihr Haus oder Ihre Wohnung zu renovieren, müssen Sie wissen, dass auf solche Arbeiten grundsätzlich nur 6% Mehrwertsteuer (IVA) anfallen. Dies trifft auf Baumassnahmen zur Verbesserung, Umbau, Renovierung und Instandhaltung von Immobilien, die ausschließlich Wohnzwecken dienen, zu. Diese Regelung kann vom Eigentümer, Vermieter, Mieter und der Wohnungseigentümergemeinschaft (Condomínio) in Anspruch genommen werden.

Garten, Swimmingpool und andere Außenanlagen sind von der niedrigeren Besteuerung ausgenommen! Für den Neu- und Erweiterungsbau, als auch im Fall eines Wiederaufbaus (z.B. einer Ruine) trifft diese Sonderregung ebenso nicht zu. Zu beachten ist, dass grundsätzlich diese Regelung (6 % IVA) nur auf die Handwerksdienstleistung anzuwenden ist, also keine Materialien berücksichtigt. Ausnahme hiervon sind die „empreitadas“, also Werkverträge, soweit die Materialkosten nicht 20% der Gesamtkosten übersteigen. Übersteigen die Materialkosten diesen Wert, müssen sie von den Dienstleistungen getrennt und mit dem normalen Mehrwertsteuersatz versteuert werden. Kann oder will der Unternehmer diese Trennung nicht vornehmen, muss auf die gesamte „empreitada“ der normale Mehrwertsteuersatz in Höhe von 23 % angewendet werden.

Freundliche Grüsse
Ihr
CONLUSA - Team

Mittwoch, 25. April 2012

„O tesouro“ – „Der Schatz“


Vor vielen Jahren, zurzeit als dein Vater zur Schule ging, lebte in einem sehr fernen Land ein Volk unglücklich und einsam, gebeugt unter der Last einer mysteriösen Traurigkeit.
Der Himmel war hoch und blau, die Felder fruchtbar, das Meer und die Flüsse waren voller Fische und Leben, die Städte warm und hell, aber die Menschen, die vorüber kamen, blickten sich mit traurigen Augen an, schnell laufend und zwischen den Häusern entschwindend; und wenn sie einander in den Cafés, in Ämtern, auf der Straße trafen, sprachen sie flach, so als ob etwas, ein schreckliches Geheimnis sie ängstigen würde.

Wer aus anderen Ländern in das „Land der traurigen Leute“ kam, verstand es nicht. Die Menschen waren gut und liebevoll und hatten augenscheinlich nur Motive, um glücklich zu sein.
Aber wenn man ihnen Fragen stellte, entfernten sie sich und antworteten nicht, oder sie wechselten behutsam um Entschuldigung bittend das Thema.

Manchmal jedoch blieben die Besucher länger und schlossen schnell Freundschaften, weil es sehr leicht war, in diesem Land Freunde zu bekommen. Diese Freunde nahmen sie dann mit in ihre Häuser, und nachdem sie ihre Türen gut verriegelt und alle Fenster geschlossen hatten, enthüllten sie das Geheimnis ihrer Traurigkeit.
So erzählten sie, dass das Volk dieses Landes einst einen mächtigen und schönen Schatz besessen hatte, der ihm gestohlen wurde und dass es ein großer und wertvoller Schatz war, ohne den man nicht leben kann.
„Einen Schatz?“, fragten die Besucher befremdet.
„Ja einen Schatz...die Freiheit.“
„Die Freiheit? Ein Schatz?“

Die Besucher wollten es nicht glauben, da in ihren Ländern die Freiheit eine allgemeine Sache war - fast ohne Bedeutung. Allen Leuten stand es frei, zu machen, was sie wollen, so lange sie keinem etwas Schreckliches taten. Und das war so normal, dass die Menschen die Freiheit nicht bemerkten. Sie waren frei auf dieselbe Weise wie sie atmeten, und niemand stellte in Rechnung, dass sie atmeten. Sie atmeten und fertig.
„Ja, die Freiheit ist wie die Luft, die wir atmen“, sagten ihnen ihre Freunde traurig. „Nur wenn sie uns fehlt, ersticken wir voller Verzweiflung und wir entdeckten, dass wir ohne die Freiheit nicht leben können.“

„Wie kann irgendjemand ohne die Freiheit leben? Wie ist das möglich?“

Also erklärten sie es ihnen: Dort in diesem Land können die Menschen weder sagen, was sie wollen, was sie denken oder fühlen noch können sie weggehen und andere Länder besuchen, andere Völker kennen lernen; sie leben also eingeschlossen in ihrem Land, als wäre es ein Gefängnis. Nicht einmal verraten könnten sie jemandem dieses Geheimnis, weil sie gefangen oder sogar getötet werden könnten.

„Das muss wohl ein großes Unglück sein.“, sagten die Besucher.
„Es ist nicht verwunderlich, dass ihr immer so traurig seid?“
Nachdem sie erneut die Türen kontrolliert hatten, um zu sehen, ob jemand draußen sei, der sie bespitzelte, verrieten ihre Freunde ihnen, wie das Leben jeden Tag im „Land der traurigen Leute“ war. Es gab Polizisten für alle Bereiche. Keine guten Polizisten, die den Verkehr regeln und Diebe festnehmen, sondern Polizisten, um ihnen nachzuspionieren, um zu verhindern, dass sie miteinander reden, Polizisten an den Grenzen, um sie nicht rausgehen zu lassen, sogar Polizisten , die ihre Briefe öffnen und ihre Gespräche abhören, um aufzuspüren, was sie gesagt und gedacht haben, und sie verfolgen und verprügeln, wenn sie weder sagen noch denken, was man will, das sie sagen oder denken sollen.
Die Jugendlichen des „Landes der traurigen Leute“ durften weder Musik hören und Filme sehen, noch Bücher und Zeitungen lesen, die ihnen gefielen, sondern nur die Musik, die Filme und Bücher, die ihnen nicht verboten wurden. Nicht einmal Coca Cola konnten sie trinken, weil Coca Cola, niemand weiß warum, auch verboten war. Die Jungen und Mädchen durften sich weder unterhalten noch gegenseitig einladen, mussten in separate Schulen gehen und getrennt durch Mauern und Gitter spielen.
Die Mädchen durften keine Hosen anziehen. Ihnen war es auch verboten, ohne Strümpfe zu laufen. Und die Jungen, wenn sie heranwuchsen, wurden in schreckliche Kriege in weit entfernten Ländern befehligt und gezwungen, fremde Völker abzuschlachten, die ihnen nie etwas Schlechtes angetan hatten; und viele von ihnen starben dort oder kehrten irrsinnig und verkrüppelt zurück.

„Aber warum habt ihr nicht in der Regierung abgestimmt, dass all diese Dinge beendet werden und dass man euch eure Freiheit, euren Schatz zurückgibt?“, wunderten sich die Besucher. „Weil wir auch nicht wählen dürfen!“ Es war erschreckend. „Ihr dürft nicht wählen? Also, wie habt ihr eure Regierenden ausgesucht?“
„Aber wir haben unsere Regierenden gar nicht ausgesucht...“
„Nun, wer hat sie gewählt?“
„Niemand weiß es...“

Wer diese Dinge, die sehr besorgt machten, hörte, dessen Herz füllte sich jäh mit Trauer und Hoffnungslosigkeit. Die Sonne schien ihm schon nicht mehr so warm, der Himmel nicht mehr so durchsichtig und blau; und als er auf die Straße zurückkehrte, sah er sich ängstlich um, daran denkend, dass er überwacht und verfolgt werden könnte, befürchtend, dass jemand seine Gedanken lesen und aus dem Schatten heraustreten könnte, um ihn dafür zu bestrafen.
Nach der Rückkehr in sein Land verstand er wohl, was für ein kostbarer Schatz seine Freiheit schließlich war und wenn er es verließ, behandelte er sie wie eine Kostbarkeit von der sein Glück und sein eigenes Leben abhingen, sich viele Male an seine Freunde erinnernd, die allein und unglücklich im „Land der traurigen Leute“ zurückgeblieben waren.

Bis es eines Tages im „Land der traurigen Leute“ dazu kam, dass sich die Menschen entschlossen, ihren Schatz zurückzuerobern. Die Soldaten sammelten sich in ihren Kasernen und nahmen ihre Waffen, um am Ende den Schatz den Händen der Diebe zu entreißen. Alle Menschen gingen in freudiger Erregung auf die Straße und begleiteten die Soldaten singend und rufend: „Es lebe die Freiheit! Es lebe die Freiheit! “
Die Jungen kamen aus dem Krieg, glücklich, wieder von Freunden umgeben zu sein und schlossen ihre Eltern und Geschwister in die Arme. Die Jungen und Mädchen konnten sich zum ersten Mal die Hände reichen und sich betrachten, Seite an Seite einherschreiten ohne Angst vor Anklagen und Strafen. Das ganze Land drehte sich lärmend und überschwänglich in einem großen Fest, die Menschen ließen allen Worten und allen Gefühlen freien Lauf, die sich so lange während der unglücklichen Jahre angesammelt hatten.

Es war der 25. April. Und weil an diesem Tag jenes Volk den Schatz der Freiheit zurückerlangte, heißt dieser Tag für immer „Tag der Freiheit“.

Das alles geschah vor langer Zeit, du warst noch nicht geboren, in einem weit entfernten Land.

Dieses Land heißt jetzt nicht mehr „Land der traurigen Leute“. Es heißt Portugal und ist Dein Land. Der Schatz gehört jetzt Dir und Du bist es, der für ihn Sorge tragen muss, tief in Deinem Herzen behüten, damit ihn niemand wieder stielt.

Deshalb ist diese keine erfundene Geschichte. Es ist eine wahre Geschichte, die wirklich stattgefunden hat.
Frage Deine Eltern oder Lehrer und sie werden Dir mehr Dinge über das „Land der traurigen Leute“ erzählen und über die Freiheit.

(Manuel António Pina)


Manuel António Pina ist ein portugiesischer Schriftsteller, Kinderautor und Journalist, der regelmäßig in hiesigen Zeitungen und Zeitschriften publiziert und dessen Werke in mehreren Sprachen übersetzt wurden, auch ins Deutsche.
Pina schrieb das Kinderbuch „O tesouro“ (dt.: „Der Schatz“) im Jahre 1993 ursprünglich für seinen elfjährigen Enkelsohn, um diesem die portugiesische Nelkenrevolution vom 25. April 1974 zu erklären.
Manuel António Pina ist Träger des „Prémio Camões“, dem wichtigsten Literaturpreis Portugals. Der obere Text wurde von "Andorinha" übersetzt.

Dienstag, 24. April 2012

Miss Sardinha 2012





Manjericos (dt.: Basilikum) in Blumentöpfen kündigen jedes Jahr im Juni die Zeit der drei „santos populares“ (dt.: Volksheiligen) Santo Antonio, São João und São Pedro an.
Den Anfang macht am 13. Juni Santo Antonio, der Lissabons Schutzpatron ist.
Am Vorabend des Festes wetteifern die einzelnen Stadtteile immer bei farbenprächtigen Umzügen (port.: marchas populares) miteinander.
Danach wird die Antoniusnacht traditionell mit gebratenen Sardinen und gutem Rotwein gefeiert.
Die Sardine ist in dieser Nacht, sprichwörtlich, in aller Munde.
Sardinen sind zweifelsohne so mit der Stadt Lissabon verbunden, das sie das offizielle Symbol der Stadtfeste geworden sind.

Wie in den letzten Jahren, so hat auch in diesem Jahr die Stadt Lissabon nun das Unternehmerbetrieb für kulturelle Ausstattungen und Animationen EGEAC (port.: Empresa de Gestão de Equipamentos e Animação Cultural) darum gebeten, in einem öffentlichen Wettbewerb, das „Maskottchen“ der diesjährigen Festlichkeiten zu ermitteln.

Jeder konnte an diesem Wettbewerb teilnehmen und seine Kreativität und Originalität unter Beweis stellen.
Die einzige Bedingung die die Stadt Lissabon und die EGEAC bei diesem Wettbewerb stellte war die, das die Silhouette einer Sardine auf jeden Fall immer zu erkennen sein musste.
Insgesamt wurden daraufhin 3526 Vorschläge, aus aller Welt, eingereicht. Sogar aus Italien, den USA, Brasilien und Mexiko kamen Vorschläge.

Von den 3526 kunstvollen Sardinen die eingereicht wurden, kamen dann schließlich 300 in die engere Wahl.
Eine Juri aus mehreren Designern Lissabons kürte nun diesen Monat die ersten drei Plätze.
Eine weitere Sardine wurde über facebook öffentlich aus den übrig gebliebenen 297 Sardinen ausgesucht und erhielt den vierten Platz.

Die „Siegersardinen“ des diesjährigen Wettbewerbes „Sardinha 2012“ sind

• auf dem 1. Platz die Sardine der drei jungen Kunstdesigner Micaela Vieira Neto, Patrick Ferreira dos Santos und Fernando Augusto, die den Künstlernamen „Matilha Cycle Crew“ angeben. Sie erhalten eine Siegerprämie von 2.500 Euro für ihr Kunstwerk, das bunte Häuser und einen Radfahrer darstellt

• auf dem 2. Platz und eine Prämie von 1.500 Euro erhielt die Sardine von Isabel Vaz und Nuno Dias, die eine rot-weiße Tischdecke als Motiv darstellt

• auf dem 3. Platz die Sardine von Ana Carvalho. Sie erhielt einen Preis von 1.000 Euro für eine schwarze Sardine, die einer schwarzen Schiefertafel nachempfunden ist, auf der „Prato do dia“ (dt.: „Tagesteller“) zu lesen ist

• auf den 4. Platz, und somit den Publikumspreis, erhielt die Sardine des jungen André Fernandes Trindade. Diese wurde mit einem Preisgeld von 500 Euro prämiert und stellt die Kombination zwischen zwei Raben, den Lissabonner Wappenvögeln, und einer Sardine dar. Das Werk von André Fernandes Trindade ist mein persönlicher Favorit gewesen

Diese ausgewählten „Maskottchen“ des diesjährigen Volksfestes werden in den nächsten Wochen und Monaten auf tausenden Plakaten überall in der Stadt zu sehen sein.

Aber damit nicht genug:
Auf einer Ausstellung, die ebenfalls im Monat Juni zu sehen sein wird, werden dann 150 der originellsten und beliebtesten Sardinen, die jetzt bei der Endausscheidung in die engere Wahl gekommen waren, in der Fundação Milenium (dt.: Mileniumstiftung) in der Baixa zu sehen sein.
Ich kann jedem jetzt schon einen Besuch dieser originellen und kreativen Ausstellung nur empfehlen!

Samstag, 21. April 2012

Der Spanische Bürgerkrieg und seine portugiesischen Opfer


Im Juli 1936 brach in Portugals Nachbarland Spanien ein Gemetzel aus, das als eines der blutigsten und grausamsten des 20. Jahrhunderts in die Analen der Weltgeschichte eingegangen ist.
Bis zum April 1939 standen sich damals die Truppen der legitimdemokratisch gewählten republikanischen Regierung Spaniens und die Truppen des faschistischen Generals Francisco Franco in einer brutalen und blutigen Auseinandersetzung gegenüber, das als Spanischer Bürgerkrieg (port.: Guerra Civil Espanhola / esp.: Guerra Civil Española) bekannt geworden ist und das über 300.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Als General Franco 1936 gegen die spanische Regierung putschte, hatte er zuerst die bedingungslose Unterstützung des damaligen portugiesischen Diktators António de Oliveira Salazar.
Diese Unterstützung drückte sich vor allem dadurch aus, dass die Putschisten, vor allem in den ersten Monaten des Bürgerkrieges, ganz offen über Portugal mit Waffen und anderem Kriegsmaterial aus dem faschistischen Deutschland und Italien versorgt wurden.

Erst nachdem sich in Portugal Unruhen breit machten, bei der Demonstranten für die republikanische Regierung in Spanien auf die Straße gingen, entschied sich Salazar, sich nicht direkt in die Kriegswirren Spaniens einzumischen.
Aber indirekt unterstützte er im großen Stil die Rekrutierung tausender junger portugiesischer Männer, um sie dann später an der
Seite der spanischen Nationalisten für Franco kämpften zu lassen.

Über diese mehr als 6.000 Portugiesen, die damals für das faschistische Spanien freiwillig in den Krieg zogen und die von den Spaniern „Viriatos“ genannt wurden, gibt es etliche Aufzeichnungen, Bilder und Geschichten, die ihre Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg ausführlich dokumentieren.

Weitaus unbekannter ist die Geschichte der vielen portugiesischen Frauen und Männer, die auf der Seite der spanischen Republikaner gegen Franco und seine Truppen gekämpft haben.
Jahrzehnte lang wurde ihre Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg, sowohl von spanischer als auch von portugiesischer Seite, vertuscht und verschwiegen.
Weder die Faschisten unter Franco noch die Faschisten unter Salazar hatten ein großes Interesse daran, eine Beteiligung portugiesischer Widerstandskämpfer im Spanischen Bürgerkrieg zu erwähnen.

Um nach fast 80 Jahren nun endlich ein wenig Licht in diese dunkle Vergangenheit Spaniens zu bringen, hat jetzt die hoch angesehene Universität von Santiago de Compostela in Galizien, in Zusammenarbeit mit Historikern der zwei portugiesischen Universitäten Universidade Nova de Lisboa und Universidade do Minho, ein höchst interessantes Projekt ins Leben gerufen.

Unter dem Projektnamen „Projecto Nomes e Voces“ (dt.: Projekt Namen und Stimmen / port.: Projecto Nomes e Vozes), wollen diese drei Hochschulen die Identität der vielen Portugiesen und Portugiesinnen erforschen, die damals am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen haben.

Wie viele Portugiesen genau letztendlich auf der Seite der Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen haben, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.
Man geht aber von einigen Hundert aus.

Erst vor kurzem wurde eine Liste mit 56 Namen portugiesischer Immigranten entdeckt, die durch spanischen Faschisten ermordet wurden.
Einige der 56 Portugiesen, deren Name sich auf dieser Liste befinden und deren Identität jetzt durch „Projecto Nomes e Voces“ besser erforscht werden sollen, möchte ich gerne hier erwähnt.

Es sind dies, unter anderem

• Fernando Nunes da Costa – 42 Jahre und Zimmermann – in der Stadt La Guardia standrechtlich erschossen

• Manuel Correia de Carvalho Costa – 51 Jahre und Bauarbeiter – im Juli 1936 bei Straßenkämpfen gegen die Faschisten in der Stadt Lavadores erschossen

• Mariana de Lazo Chaves – 44 Jahre und Fischverkäuferin – in faschistischer Gefangenschaft an Tuberkulose gestorben

• Augusto Alfonso Gonzalez – 44 Jahre und Bauarbeiter – in der Stadt Pontevedra als Rebell standrechtlich erschossen

• António Fernandes Guimarães – 37 Jahre und Bauarbeiter – in der Stadt Pamplona standrechtlich erschossen

• Manuel Solla Lemos – 23 Jahre und Schuhmacher – in der Kaserne Monte del Castro in der Stadt Vigo standrechtlich erschossen

• Telmo Freitas Lima – 39 Jahre und Bauarbeiter – in Vigo standrechtlich erschossen

• António Soler Monteiro – 47 Jahre und Bahnarbeiter – in der Kaserne Monte del Castro in der Stadt Vigo 1937 als Rebell standrechtlich erschossen

• Maria Nogueira – 57 Jahre und von Beruf Amme – in der Stadt Vilardevós ohne Gerichtsverfahren erschossen

• António González Pazos – 50 Jahre und Schuhmacher – im Kampf gegen die Faschisten gefallen

• Maria Belo Paz – 51 Jahre und von Beruf Fabrikarbeiterin – im Juli 1936 bei einer Straßenschlacht gegen die Faschisten in der Stadt Lavadores zuerst von diesen vergewaltigt und danach erschossen

• Luis Duarte Pedrosa – 44 Jahre – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Ramiro – ohne Altersangabe, Bahnarbeiter – in der Ortschaft Portocamba ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Manuel Prodêncio do Rosário – 33 Jahre und Tagelöhner – von der Guarda Civil in der Ortschaft San Xían de Romai erschossen

• António da Costa Sousa – 43 Jahre – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Artur Ferreira de Sousa – 33 Jahre und Zimmermann – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Julio Azevedo Veiga – 31 Jahre – im Juli 1937 in La Coruña im Kampf gegen die Faschisten gefallen

Bei all den hier aufgeführten Portugiesen handelte es sich zumeist um ganz einfache Männer und Frauen, die teilweise schon seit Generationen in Spanien lebten und deren größtes Verbrechen es damals war Republikaner, Analphabeten, Anarchisten, Gewerkschaftler und eben Portugiesen zu sein.

Es wäre ein leichtes dem spanischen Diktator Franco die alleinige Schuld am Tode dieser vielen portugiesischer Bürger zu geben, die damals mit den spanischen Republikanern sympathisierten.

Die traurige Wahrheit ist jedoch die, das die damalige portugiesische Regierung, unter Diktator Salazar, sich nicht sonderlich um diese Portugiesen gekümmert hat.
Es existiert heute nicht ein einziges Dokument, das belegt, Salazar hätte damals auch nur ein einziges Mal gegen die Ermordung portugiesischer Staatsbürger durch das faschistische Spanien protestiert oder gar dagegen interveniert.
Mit seinem Nichthandeln hat Salazar damals stillschweigend den Tod vieler Portugiesen durch Franco einfach in Kauf genommen!

Die Wunden des Spanischen Bürgerkriegs und dessen Folgen sind für die meisten Spanier bis heute ein Trauma.
Aber auch hier zulande ist dieser Bürgerkrieg noch lange nicht ein abgeschlossenes Kapitel der portugiesischen Geschichte.

Sonntag, 15. April 2012

Die Portugiesen, die mit der „Titanic“ untergingen


Am 10. April 1912 drängten sich tausende Menschen im englischen Hafen von Southampton, um zuzusehen wie die „Titanic“, das neueste Flaggschiff der berühmten britischen Reederei White Star Line, zu seiner Jungfernfahrt von England nach New York startete.
Die „Titanic“ fuhr unter dem Kommando von Kapitän Edward John Smith und galt damals als das größte, luxuriöseste, modernste und sicherste Schiff der Welt. Sie galt praktisch als unsinkbar!

Ihre Maße waren beeindruckend:
sie war stolze 269 Meter lang, 28 Meter breit und 53 Meter hoch. Mit ihren 30.000 PS konnte sie eine Höchstgeschwindigkeit von 21 Knoten erreichen.
Aufgeteilt waren die sieben Decks der „Titanic“ in eine 1., 2. und 3. Klasse.

Nach ihrem Reisebeginn in Southampton lief die „Titanic“ nach sechs Stunden Fahrt den französischen Hafen Cherbourg an, wo weitere Passagiere an Bord gingen. Danach wurde noch der irische Hafen Queenstown angesteuert, wo ebenfalls Passagiere zustiegen.
Dann setzte sich die „Titanic“, mit insgesamt 2228 Menschen an Bord, endgültig in Richtung New York in Bewegung.

Unter den Passagieren waren so illustre Persönlichkeiten, wie z.B. Isidor Straus, der Besitzer des berühmten New Yorker Kaufhauses Macy´s, der Multimillionär John Jacob Astor IV und der Kunstmagnat und Playboy Benjamin Guggenheim.

Am 14. April 1912 kollidierte der Luxusliner, um kurz vor Mitternacht, bei voller Fahrt im Nordatlantik mit einem Eisberg zusammen.
Noch nicht einmal drei Stunden später, in den Morgenstunden des 15. April, ging die „Titanic“ in einer eiskalten Neumondnacht unter.
Diese Jahrhundertkatastrophe hat seitdem unzählige Schriftsteller, Maler und Filmemacher inspiriert.

Unter den 1523 Menschen, die in dieser Nacht starben, befanden sich auch mindestens vier portugiesische Männer.
Drei von ihnen reisten in der 3. Klasse und einer von ihnen in der 2. Klasse.
Man weiß heute, dass Passagiere der 3. Klasse kaum eine Chance hatten die Katastrophe zu überleben.
Man hat später ausgerechnet, dass die Passagiere der 3. Klasse nur eine 20%ige Überlebenschance hatten. Die der 2. Klasse hatten eine Chance von etwa 50%, während Passagiere der 1. Klasse immerhin eine Überlebenschance von etwa 60% hatten.

Die vier Portugiesen, die in dieser Nacht mit der „Titanic“ untergingen, und deren Namen auf der Passagierliste stand, waren:

• José Netto Jardim – männlich, 21 Jahre alt aus Arco da Calheta auf Madeira. Er war verheiratet und hatte eine kleine Tochter im Babyalter. Er wollte in die USA auswandern und war Passagier der 3. Klasse

• Manuel Gonçalves – männlich, 38 Jahre alt, Landwirt aus Arco da Calheta auf Madeira. Er war verheiratet und hatte fünf Kinder. Er wollte in die USA auswandern und später Frau und Kinder nachholen. Er war Passagier der 3. Klasse

• Domingos Fernandes Coelho – 20 Jahre, ledig und aus Funchal auf Madeira. Er war Passagier der 3. Klasse

• José Joaquim Brito – männlich, 42 Jahre, verheiratet. Er war als Geschäftsmann auf dem Weg nach New York und war Passagier der 2. Klasse

Unter den anderen Todesopfern der „Titanic“ befanden sich noch drei weitere, deren Reiseunterlagen zwar nicht bestätigen dass sie portugiesische Staatsbürger waren, aber deren Namen sehr wohl portugiesischen Ursprungs waren.

Es sind dies:

• Catherine Barbara – weiblich, Passagierin der 3. Klasse

• Saúde Barbara – weiblich, Passagierin der 3. Klasse

• Joseph Elias – männlich, Passagier der 3. Klasse

Von den 2228 Menschen an Bord der „Titanic“ überlebten nur 705 die Katastrophe.
1523 Menschen, die meisten von ihnen Passagiere der 3. Klasse, fanden damals, in den frühen Morgenstunden des 15. April 1912, in den eiskalten Fluten des Atlantiks den Tod.

Sie starben, weil sie viel schlechtere Überlebenschancen hatten als ihre Mitpassagiere der 1. und 2. Klasse.
Selbst die amerikanischen und englischen Aufsichtsbehörden, die später das Unglück aufzuklären hatten, interessierten sich kaum für das Schicksal der Passagiere der 3. Klasse.

Diesen Portugiesen, die vor genau 100 Jahren mit der „Titanic“ untergingen und für die sich später, auch hier in Portugal, kaum einer interessierte, widme ich diesen Eintrag.

Donnerstag, 12. April 2012

Ein Jahr danach


Heute, auf den Tag genau vor einem Jahr, veränderte sich mein Leben von einem Moment auf den anderen.
Damals, am Morgen des 12. April 2011 stieß mir das bis dahin unerklärlichste und unerwarteste zu, dass ich mir jemals hätte vorstellen können – ich erlitt einen Schlaganfall!

Worte können kaum das beschreiben, wie ich mich an diesem Morgen gefühlt habe, welche Schmerzen und Ängste ich damals hatte.
Dank der schnellen Reaktion zweier Arbeitskollegen, die mir damals beispiellos Erste Hilfe leisteten, konnte das schlimmste gerade noch verhindert werden und ich kam sofort in ein Krankenhaus.

Da lag ich nun, gefesselt an ein Bett mit einer Krankheit, die ich bis dahin nur vom Hörensagen kannte.
Urplötzlich hatte mich diese Krankheit (ich habe über Wochen das Wort „Schlaganfall“ nicht aussprechen können, sondern sprach immer nur von „der Krankheit“) eingeholt.
Die Krankheit hatte mich herausgerissen aus all dem Vertrauten und der ganzen Routine die es bis dahin für mich gab.

So eine Krankheit verändert einem das Leben total.
Sie nimmt einem die Kraft und man bricht unbarmherzig in den gewohnten Lebens- und Arbeitsrhythmus ein.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sich in den ersten Stunden nach dem Schlaganfall die Hilflosigkeit bei mir breit machte.
Wie ich mich alleine und ausgeliefert fühlte und wie ich mich mit aller Macht dagegen aufbegehren wollte, obwohl es einfach nicht ging.

Ja, es war eine ganz schwierige Zeit in meinem Leben die ich da mitmachen musste, denn der Schlaganfall zeigte mir, auf brutalste Art und Weise, die Vergänglichkeit meines Lebens.

Aber Dank meines unerschütterlichen Gottvertrauens, meiner geliebten Familie, meiner treuen Freunde und auch Dank vieler Leser dieses Blogs, konnte ich diese schwere Zeit überstehen und wieder Anschluss finden, an mein gewohntes und normales Leben.

Zu gegebener Zeit habe ich mich damals bei vielen für die lieben Wünsche und die vielen Worte des Trostes und der Kraft bedankt.
Nichtsdestotrotz möchte ich heute, einem Jahr nach einem ganz besonderen Abschnitt in meinem Leben, mit vier Wörtern allen das sagen, was mir am Herzen liegt:

„Danke – vielen, vielen Dank!“

Ângelo Paulo

Dienstag, 10. April 2012

Auch ein Günter Grass hat das Recht Blödsinn und Müll zu schreiben


Wie ich heute der hiesigen portugiesischen Presse entnehmen konnte, hat der israelische Staat den deutschen Schriftsteller Günter Grass zur „persona non grata“ erklärt und diesem zukünftig eine Einreise in Israel verboten.

Zu einer „unerwünschten Person“ ist Grass dadurch geworden, weil er vor gut einer Woche mit einem total realitätsfremden „Gedicht“, welches er mit dem Namen „Was gesagt werden muss“ titulierte, einen abstrusen literarischen Feldzug gegen Israel begonnen hat.

Viele seiner Schriftstellerkollegen, Politiker und Künstler weltweit sind von ihm enttäuscht und überrascht.
Andere wiederum sind regelrecht empört und nennen Grass sogar einen Antisemiten und Schreibtischattentäter.

Nun, enttäuscht und überrascht sind wohl nur die, für die Günter Grass immer so etwas wie eine „moralisch-literarische Autorität“ war.
Man kann von der schriftstellerischen Leistung des Literaturnobelpreisträgers halten was man will, seine politischen Ansichten waren schon immer, so finde ich, eher suspekt und kritikwürdig als überraschend.

In meinen Augen war er schon immer ein Demagoge, linksintellektueller Wichtigtuer und Ignorant der immer wieder gerne versucht hat rechte Politpropaganda unter seiner fragwürdigen literarischen Tarnkappe zu verstecken.

Aus ein paar schlecht geschriebenen und sich nicht reimenden Zeilen ist nun ein regelrechtes Politikum geworden.
Schon werden auch Stimmen laut, die verlangen, man möge Günter Grass den Literaturnobelpreis wieder aberkennen.
Ein absoluter Schwachsinn!

Denn so schlecht und absurd sein „Gedicht“ und seine weltfremden Ansichten auch sein mögen:
Fakt ist:
auch ein Günter Grass hat das Recht Blödsinn und Müll zu schreiben!

Montag, 9. April 2012

Abschied von Cahora Bassa


Der portugiesische Premierminister Pedro Passos Coelho und der Präsident der ostafrikanischen Republik Moçambique, Armando Guebuza, haben heute in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo (port.: Lourenço Marques) einen Vertrag unterzeichnet, nachdem der gewaltige Cahora Bassa-Staudamm nun endgültig in mosambikanische Hände übergegangen ist.
Portugal verpflichtet sich in diesem Vertrag die letzten 15% der Anteile, die es noch an der Betreibergesellschaft „Hidroélectrica de Cahora Bassa“ (dt.: Wasserkraftwerk von Cahora Bassa) hatte, an den mosambikanischen Staat abzutreten.

Dieser Vertrag ist eher symbolisch, denn schon vor sechs Jahren, am 31. Oktober 2006, hatte Portugal 82% seiner Mehrheitsanteile an Moçambique verkauft.
Somit ist ab dem heutigen Tag das ostafrikanische Land der alleinige Eigentümer des riesigen Cahora Bassa-Staudamms, dem größten seiner Art im südlichen Afrika und einer der größten der Welt.

Mit dem Bau des Cahora Bassa-Staudamms, der in der mosambikanischen Nordwestprovinz Tete liegt und Strom in alle Länder des südlichen Afrika liefert, wurde in der 70er Jahren begonnen, als Moçambique noch ein Teil von Portugiesisch-Ostafrika war.
Zu dieser Zeit war Cahora Bassa, an dessen Bau auch deutsche Firmen wie Siemens, Hochtief, AEG und Telefunken beteiligt waren, zweifelsohne der Stolz portugiesischer Architekturkunst und die größte Investition Portugals im modernen Afrika.

Der Cahora Bassa-Staudamm, oder Cabora Bassa, wie er zu Kolonialzeiten noch hieß, ist nach dem Assuan-Staudamm, dem Volta-Staudamm und dem Kariba-Staudamm der viertgrößte Staudamm Afrikas.

In einer Gebirgsengstelle des Flusses Sambesi (port.: Rio Zambese) errichteten die Portugiesen damals eine 165 Meter hohe Staumauer aus Beton, die danach einen über 250 km langen und 2.800 km² großen See aufstaute.
Das gestaute Wasser des Stausees speist ein Elektrizitätswerk von 2.100 Megawatt, dessen Stromproduktion zum größten Teil an die Nachbarländer Südafrika (port.: África do Sul) und Simbabwe (port.: Zimbabué) verkauft wird.

Aufgrund des Jahrzehnte lang andauernden blutigen Bürgerkrieges, der nach der Unabhängigkeit von Portugal in Moçambique herrschte, konnte Portugal in all den Jahren keinen wirtschaftlichen Nutzen aus Cahora Bassa ziehen.

„Cahora agora é nossa“ (dt.: „Cahora gehört jetzt uns“), sagte Moçambiques Präsident Armando Guebuza sichtlich bewegt, nachdem er seine Unterschrift heute unter den Vertrag gesetzt hatte.
Bleibt nur zu hoffen das Moçambique mit Cahora Bassa mehr Glück haben wird als es uns Portugiesen jemals vergönnt war.